Wie steht es um die Osteopathieverbände nach dem Osteopathie-Urteil?

Seit der Verkündung des Urteils des OLG Düsseldorf vom 8.9.2015 (Az. I-20 U 236/13) melden sich pro Tag rund 30-40 Osteopathen und Osteopathinnen bei mir, um sich eingehend in Bezug auf die aktuelle Rechtslage zur Osteopathie beraten zu lassen. Viele von diesen Personen sind Mitglieder bei einem physiotherapeutischen Berufsverband. In physiotherapeutischen Berufsverbänden ist allerdings die deutliche Minderheit mit einer Osteopathieausbildung ausgestattet.


Der Großteil der Osteopathen ist jedoch auch Mitglied in einem osteopathischen Berufsverband. Die Reaktion dieser osteopathischen Berufsverbände auf das Urteil beschränkt sich derweilen auf präventive Maßnahmen. Konzepte gegen das neue Urteil liegen nicht vor und wurden auch in Bezug auf die bereits vorher vorliegenden Urteile nicht vermittelt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass man im Regelfall davon ausgehen würde, dass nach Erwerb der Heilpraktikererlaubnis kein Problem mehr bestehen würde.


Genau hier liegt allerdings das entsprechende Problem:  In den meisten osteopathischen Berufsverbänden sind sowohl Heilpraktiker wie auch Physiotherapeuten organisiert. Hier muss man sich entscheiden, welche der beiden Gruppen man als Verband favorisiert. Sofern man eine der beiden Berufsgruppen unterstützt, benachteiligt man automatisch die andere Gruppe. Bei den wenigsten Therapeuten sind sowohl die Heilpraktikererlaubnis wie auch eine physiotherapeutische Ausbildung vorhanden.


Fraglich bleibt somit auch, was osteopathische Berufsverbände zukünftig unternehmen werden, um Physiotherapeuten in ihren eigenen Reihen zu unterstützen. Schließlich hilft es allgemein nicht, wenn man nunmehr allen Physiotherapeuten empfiehlt die Heilpraktikererlaubnis zu erwerben. Genau dies verstößt nämlich häufig gegen das Selbstverständnis der Physiotherapeuten.


Das einzige Mittel nunmehr die physiotherapeutischen Osteopathen zu unterstützen wäre, in entsprechenden Prozessen diesen Rückendeckung zu geben und sich auch auf entsprechende Prozesse einzulassen. So könnte man sich pro physiotherapeutischen Osteopathen positionieren, ohne auch den großen Heilpraktiker anzugreifen. Vor allem in Gebieten außerhalb von Düsseldorf besteht hier sicherlich noch eine gute Chance einen Prozess zu gewinnen. Neue, seit kürzlich umhergehende Abmahnungen bieten hier immer wieder die Möglichkeit die physiotherapeutischen Osteopathen zu unterstützen.


Sofern sich ein osteopathischer Berufsverband für die Führung eines Musterprozess interessiert, befrage ich gerne meine Mandanten, um Musterprozesse zu vermitteln.