Barmenia hat es wohl mit den Privatpreisen noch nicht ganz verstanden

Aktuelles Pflichtwissen für Therapeuten

Leider melden sich bei uns immer wieder Physiotherapeuten, die sich mit Privatpatienten auseinandersetzen müssen, welche wiederum nicht die vollständigen Kosten der Behandlung von ihrer privaten Krankenversicherung ersetzt bekommen haben. Auch die Barmenia hat es wohl mit den Privatpreisen noch nicht ganz verstanden.

Ganz allgemein muss bekannt sein, dass private Krankenversicherungen auf den üblichen Preis verweisen können, weil es eine Gebührenordnung für physiotherapeutische Behandlungen eben nicht gibt. Gäbe es eine solche bei den Ärzten, gäbe es keine Diskussion. Wenn es einen solchen geben würde, müssten die Therapeuten jedoch auch immer wieder für höhere Preise kämpfen, damit die Preise wegen der Inflation nicht immer weniger herein spielen. Alles in allem kann deshalb auf eine derartige Gebührenordnung verzichtet werden.

Die privaten Krankenversicherungen müssen also den üblichen Preis zahlen. Dieser ist zum einen örtlich bedingt. D.h. man kann sich an den örtlichen physiotherapeutischen Praxen orientieren. Leider kommen hier auch immer wieder Therapeuten auf die Idee sich mit niedrigen Preisen gegenseitig die Preise kaputt zu machen. Jedenfalls ist es Quatsch, wenn Physiotherapeuten als übliche Vergütung die Kassenpreise oder die Beihilfe setze vorgelegt bekommen. Diese würden nur üblich sein, wenn die meisten Therapeuten vor Ort genau diese Sätze nehmen würden. Häufig ist genau dies nicht der Fall. Damit die Versicherung zu den üblichen Ortssätzen etwas sagen kann, möchte sie jedoch Vergleiche anführen. Genau dies erfolgt oft nicht. Darüber hinaus gibt es noch eine sehr wichtige weitere Komponente. Sollte eine Gebührenvereinbarung vorliegen, welche nicht absolute Mondpreise beinhaltet, hat die Versicherung diese zu zahlen. Im vorliegenden Fall der Barmenia lag beispielsweise eine solche vor. Die Versicherung hätte durchaus Veranlassung hat genau diese Preise zu zahlen. Das wichtigste Argument, das den Kassen jedoch eine übliche Zahlung oder ein üblicher Satz gar nicht bekannt ist, liegt darin, dass den privaten Krankenversicherungen gar nicht die einzelnen Leistungsmerkmale bekannt sind. Selbe verständlich kann ein Therapeut, welcher einen Zertifikatskurs in manueller Therapie absolviert hat mehr für seine Behandlung der manuellen Therapie verlangen, als ein Therapeut, welcher diese Weiterbildung nicht besucht hat. Des Weiteren kann es sein, dass die teurere Praxis möglicherweise auch eine höhenwertige Ausstattung oder höhenwertige Therapiegegenstände hat. All dies muss berücksichtigt werden. Private Versicherungen wissen jedoch nicht, welche Qualifikationen Therapeuten haben und wie es mit der Ausstattung aussieht.

Alles in allem lässt sich also festhalten, dass in den meisten Fällen die Aussagen zur üblichen Vergütung, welche durch private Krankenversicherungen getroffen werden, einfach nur abwegig sind. Wer darüber hinaus mit Urteilen argumentiert, welche sieben Jahre alt sind, ist regelmäßig nicht auf dem aktuellen Stand zu pickt sich das raus, was ihm möglicherweise helfen könnte, aber meist schon überholt ist. An den Diskussionen müssen sich Therapeuten jedenfalls nicht aufhalten, sofern sie eine Honorarvereinbarung mit den Patienten geschlossen haben. Dann ist jedenfalls genau dieser Satz vom Patienten zu zahlen. Ob dieser dann die vollständigen Kosten von seiner privaten Krankenversicherung erstattet bekommen, ist im Grunde nicht Problem des Therapeuten. Dieser möchte aber, dass der Patient glücklich ist. Das einzige, was er denn tun sollten, ist, dass er den Patienten an einen fachkundigen Rechtsanwalt weiterleiten sollte, der ihn gegen die Versicherung vertritt. Sollte es dem Patienten nicht möglich sein die vollständige Erstattung zu erhalten, so raten wir immer dazu sich rechtsanwaltlichen Beistand zu nehmen. Derartige Verfahren führen werden sehr häufig mit Erfolg.